Aug 5, 2008
Online-Journalismus im Web 2.0: Tagungsband erschienen
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Bei Amazon erhältlich |
Das Buch “Journalismus online: Partizipation oder Profession?” ist Ergebnis der gleichnamigen Tagung, die im Februar 2007 in München stattfand, veranstaltet von der deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.
Kernfrage ist, inwieweit die neuen Möglichkeiten der Nutzerpartizipation die Profession ‘Journalismus’ verändern. Logisch, dass man unter den Beiträgen auch einen zu “Bürgerjournalisten & Weblogs” findet, ein immer wieder heiß diskutiertes Thema, aber meiner Meinung nicht das interessanteste. In dem Sammelband wird zum Beispiel auch die Frage gestellt, welche publizistischen Vermarktungspotenziale unabhängige Weblogs im Vergleich zu den Blogs arrivierter Medienunternehmen besitzen; eine Frage, über die auch in der Blogosphäre diskutiert wird.
Die Konzepte von “professionell-partizipativen Nachrichtensites” werden unter die Lupe genommen; hier interessieren mich besonders die Beispiele von partizipativen Nachrichtensites aus aller Welt, von Reader’s Edition bis Reporter.co.za aus Südamerika. Ein anderer Beitrag diskutiert die Frage, inwieweit webbasierte Kritik, zum Beispiel in Form von Kommentaren, zur Qualitätssicherung beiträgt oder beitragen kann, und auch die “Invasion der media wwwatchdogs”, d.h. Medienkritik-Blogs, findet die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler.
Interessant übrigens auch die Frage nach der Suchmaschinen-Kompetenz der Journalisten: denn natürlich nutzen auch Journalisten das Internet als erste Recherchequelle. Suchmaschinen selektieren und sortieren Informationen ja schon (was ja theoretisch in den Aufgabenbereich der Journalisten fällt), und was nicht bei Google unter den ersten Treffern ist, hat, so das Ergebnis, wenig Chancen, von Journalisten berücksichtigt zu werden.
Im Beitrag “Medienblogger und journalistische Standards” findet man die häufig geäußerte Befürchtung, dass durch Weblogs die journalistische Qualität leiden würde. Speziell wurde untersucht, ob blognutzende Journalisten für die Zukunft niedrigere professionelle Standards erwarten, was als schädliche Wirkungen von Blogs gewertet werden würde. Dies wurde aber in der Studie nicht bestätigt - im Gegenteil, die blognutzenden Journalisten erwarten, dass zentrale Kompetenzen, insbesondere die Recherche, in Zukunft deutlich wichtiger werden.
Das waren jetzt nur mal die Themen, die mir spontan aufgefallen sind; es gibt noch einige mehr, einen Blick hineinwerfen kann in die Extended Abstracts (PDF), die einen guten Überblick über die Themen geben. Und auch wenn das alles Fragen sind, die auch in der Blogosphäre hin und wieder diskutiert werden: ein Wechsel der Perspektive tut manchmal gut und eröffnet neue Sichtweisen.
Zur Erinnerung: Der Sammelband enthält wissenschaftliche Vorträge, ist also keine leichte Strandlektüre. Nicht, dass sich nachher jemand beschwert
Ich bin mir aber sicher, dass man einiges daraus ziehen kann. Für Studierende der Kommunikations- und Medienwissenschaften, (angehende) Journalisten und PR-Menschen ist das Buch sowieso Pflicht.
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